Gitarrenunterricht für Lehrkräfte und ErzieherInnen

Aus meiner Praxis in Kindergärten und Schulen weiß ich, wie wichtig es ist, mit den Kindern in der richtigen Tonart zu singen. Sie sollen ihre Singstimme benutzen und trainieren.

Zu tiefes Singen führt zu brummen und „sprechen“ der Melodien.

Der Gitarrenunterricht vermittelt Grundlagen in der Liedbegleitung und auch altersgerechte Lieder, so dass die Singstimme der „Kleinen“ sowohl in die richtigen Harmonien  eingebettet wird, als auch eine rhythmische Unterstützung zu mehr Sicherheit und einem genaueren Hörergebnis führt.

Aus meiner Prüfungsklausur:

In vielen wissenschaftlichen Fachbüchern und Essays über die Singstimme der Kinder wird berichtet, dass der ursprüngliche Tonumfang eben dieser Singstimmen im Vergleich zu vergangenen Zeiten rückläufig ist. Nunmehr muss auch die Kindersingstimme, und damit ihre grundsätzliche Fähigkeit, gemessen am Alter differenziert betrachtet werden.

In dieser Arbeit möchte ich mich dieser Thematik widmen und in der Praxis aufzeigen, wie den Kindern – verschiedene Altersstufen sollen berücksichtigt werden –  der Umgang mit der eigenen Stimme Spaß bereiten kann. Dazu wird neben den Grundsatzfragen die Einführung drei unterschiedlicher Singstücke in der Praxis methodisch vorgestellt. Die Herangehensweisen sind nicht unbedingt abhängig vom Alter der singenden Kindergruppen, solange die Liedauswahl stimmig ist, und  vermitteln anhand verschiedener Techniken den Zugang zum Lied; und somit zur eigenen Stimme.

Eines haben aber alle Einführungsmethoden gemeinsam: Wenn der Unterrichtende die Freude am Singen und am Unterrichten nicht selber lebt, schreckt eine gewisse Technik möglicherweise ab. Das bedeutet für uns Unterrichtende im Umgang mit Kindern jedes Mal auf ein Neues, die Kinder abzuholen, einzuladen und mitzunehmen, um ihnen die schöne Welt der Musik durch (bestenfalls auch schnelle) Erfolgserlebnisse darzulegen… ja – die Möglichkeiten der Entfaltung zu präsentieren. Aufgrund vieler solcher Erfahrungen bin ich der festen Überzeugung, dass sich die Motivation und ein gemeinschaftliches Gefühl nach dem Motto „wir können – wir trauen uns“ von selbst einstellt.

Da das Singen in den (deutschen) Familien tatsächlich eher selten stattfindet, finde ich es immer wieder schön, wenn mir von Eltern berichtet wird, dass die Kinder zu Hause den ganzen Nachmittag dieses oder jenes Lied gesungen haben und sie sich auch anstecken ließen. Genauso sollte es sein – Weg vom Trauma des „Singen müssens“ (und der Benotung des Singens in der Schule!) – hin zum spielerischen und spaßvollen Umgang mit der Stimme.

Das Singen im Kindesalter betreffend gibt es einige Faktoren, die bei der Vermittlung von Liedern stimmig sein sollten. Einfaches „Drauflos-Singen“ ohne bestimmte Rahmenbedingungen scheint eher kontraproduktiv, wenn die singenden Kinder und Kindergruppen keine Freude haben, weil sie es schlicht und einfach physisch gar nicht singen können oder Inhalte gar nicht verstehen – und somit Erfolge in der Reproduktion von Singstücken fraglich sind.

Im Folgenden sollen einige Rahmenbedingungen den vermittelnden PädagogInnen eine Hilfestellung bieten, das Liedgut in die Kindergruppe einzuführen:

Ambitus (Tonumfang / Spannweite zwischen dem höchsten und tiefsten Ton der Melodie)

Da das ausgesuchte Liedgut der Kindersingstimme entsprechen soll, empfehlen sich diese wissenschaftlich eruierten Lagen[1]:

  • Säugling bis Kleinkind: g1 – c2
  • Kindergartenkind: f1  – e2
  • Grundschulkind: c1 – f2 (c3)
  • Schulkind: a – a2 (c4)

Selbstverständlich sollte der/ die Lehrende diesen Tonumfang  selber spielerisch beherrschen. Im Zweifelsfall ergibt sich daher die Notwendigkeit – und Möglichkeit – der Transposition eines sonst geeigneten Liedes[2].

Männliche Lehrkräfte sollten im Rahmen der Erlebniswirklichkeit der Kinder dazu gegebenenfalls ihre Singstimme falsettieren. Die oben aufgeführten Lagen bzw. Tonhöhen entsprechen einem „variablen Rahmen“ – wobei dazu eine Sinnweisheit recht treffend den Umgang der kindlichen Singstimme beschreibt: Wachstum entsteht an den Rändern! Durch entsprechend spielerische Stimmbildungsübungen sollen die Kinder herausgefordert und gefördert werden (bspw. „Mit der Stimme joggen“ – Lorenz Maierhofer, Helbling Verlag), ihre Stimme auszuprobieren und auch in die Grenzbereiche zu bringn.

[1] Nach Andreas Mohr (2008) – Schott, „Handbuch der Kinderstimmbildung“, Seite 28
[2] Vgl. Manfred Ernst (2011) – Helbling Verlag, „Praxis – Singen mit Kindern“, Seite 27